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26.01.2012

Startschuss für das Blotenberg-Projekt

Knappe Mehrheit in der Politik beschließt, die Planungen für das umstrittene Wohngebiet voranzutreiben

Das geplante Wohngebiet am Blotenberg hat zu einer leidenschaftlichen Debatte im Planungsausschuss geführt. Am Ende setzten sich die Befürworter von SPD, UWG und FDP mit elf Stimmen gegen acht Kritiker von CDU und Grünen durch. Für das Projekt sollen jetzt mehrere Entwürfe erarbeitet und präsentiert werden.

Westfalen-Blatt/mapu - Die Fläche am Blotenberg wurde bislang landwirtschaftlich genutzt. In den kommenden Jahren soll dort nach Wunsch der Stadt ein Wohngebiet entstehen. Das Thema sorgte am Dienstagabend für einen ungewöhnlich hohen Besucherandrang im Sitzungssaal des Rathauses. Ausschussvorsitzender Rainer Schütz (SPD) nutzte die Gelegenheit, den Zuhörern einige grundlegende Punkte zum Umgang mit dem Blotenberg-Projekt zu erläutern.

Schütz verteidigte die Stadtverwaltung gegen Kritik aus Politik und Bevölkerung, sie habe das Projekt völlig unerwartet auf die Tagesordnung gehoben. Dieser Eindruck war in einer öffentlichen Diskussion Ende des vergangenen Jahres entstanden. Es kann nach Meinung von Schütz aber keine Rede davon sein, dass die Wertheraner von den Planungen überrollt wurden: »Schon 1979 ging der Kreis Gütersloh davon aus, dass in dem Bereich 50 Bauplätze entstehen könnten. Außerdem ist der Blotenberg im Flächennutzungsplan der einzige Bereich, der als Baugebiet ausgewiesen ist - seit Jahren.« Er wies darauf hin, dass im Zuge des jetzt eingeleiteten Bebauungsplanverfahrens neben den Behörden auch die Öffentlichkeit beteiligt wird. Einwände gegen die Pläne können darum offiziell eingebracht werden.

Bauamtsleiter Jens Kreiensiek ging auf die Sorge vieler Wertheraner ein, dass der Blotenberg als schönes Stück Natur zerstört werden könnte. »Es soll nicht der ganze Blotenberg bebaut werden. Es geht um ein 5,3 Hektar großes Stück, das westlich der Straße ÝBlotenbergÜ liegt. Die östliche Seite bleibt unberührt«, versicherte Jens Kreiensiek. Er wies darauf hin, dass Details zur Planung längst nicht feststehen.

Als Gegner des Projektes äußerte sich Ulrich Buchalla für die CDU-Fraktion: »Wir sind absolut dagegen.« Werther benötige zwar neue Wohnbauflächen - nicht aber an dieser Stelle. Buchalla wies darauf hin, dass das Landschaftsbild nachhaltig verändert und eine Frischluftschneise in dem Bereich möglicherweise unterbrochen werde. Er stellte zudem die Attraktivität des Wohngebietes in Frage: »Wegen der Verschattung durch die Hanglage und des Lärms von der Bielefelder Straße ist es fraglich, ob die Stadt die Baufläche zu den erhofften Konditionen überhaupt vermarkten kann.«

Als Alternative schlug die CDU vor, in moderater Weise etwa 20 Bauplätze im Bereich Süthfeld II auszuweisen. Dies wiederum schließt Annemarie Benndorf (SPD) aus: »Man kann solch ein Riesengebiet nicht scheibchenweise anbieten. Es müsste komplett überplant werden, damit auch die Erschließung geregelt ist.« Denn der Verkehrsdruck auf die umliegenden Straßen rund um den Schwarzen Weg sei schon hoch genug. Bürgermeisterin Marion Weike wies zudem darauf hin, dass es sich beim Süthfeld um wertvolle landwirtschaftliche Flächen handele, die außerdem nicht im Besitz der Stadt seien.

Uwe Gehring (UWG) warnte davor, das Blotenberg-Projekt in Frage zu stellen: »Stadtentwicklung ist ein langwieriger Prozess. Das kann man nicht mal eben von heute auf morgen umwerfen.« Laut Gehring war man sich noch vor wenigen Jahren fraktionsübergreifend einig, dass das Wohngebiet vorangetrieben werden soll. »Der Blotenberg ist die einzige Chance, in der Stadt zeitnah neue Bauflächen anbieten zu können.« Sein Fraktionskollege Tobias Weinhorst brachte die Möglichkeit ins Spiel, am Fuße des Hanges nahe der Bielefelder Straße Büroräume für Firmen zu errichten: »Solch eine Bebauung könnte den Lärm vom höher gelegenen Wohngebiet abhalten.«

Die Grünen-Fraktion sprach sich gänzlich gegen neue Wohngebiete aus, weil angesichts sinkender Bevölkerungszahlen weiterer Flächenverbrauch zu vermeiden sei. Stattdessen solle mit Programmen wie »Jung kauft Alt« der Fokus auf Altimmobilien gelegt werden, damit diese attraktiv werden und nicht als Leerstand enden. Udo Lange (SPD) sagte: »Keine unserer Nachbarstädte ist mit der Ausweisung neuer Wohngebiete so zurückhaltend wie Werther. Hier geht es doch nicht darum, die Landschaft kaputt zu machen.«

Marion Weike verteidigte den Blotenberg wegen seiner Nähe zur Innenstadt und zum ZOB als attraktives Wohngebiet. Sie habe keine Bedenken, dass ein solches Baugebiet schnell voll laufen würde. Weike begrüßte den Beschluss, einen Bebauungsplan aufzustellen: »Dies ist ein geordnetes Verfahren, das Fakten schafft, aber natürlich auch Kritik hervorbringt. Dieser sollten wir uns stellen.«

aktualisiert von Team Werther, 04.04.2012, 21:55 Uhr
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