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17.12.2011

Stadtrat streitet über Blotenberg-Projekt

Geplantes Wohngebiet löst kontroverse Debatte aus - Bürgermeisterin lädt Kritiker aus Bevölkerung zu Termin am 24. Januar ein

Das geplante Wohngebiet am Blotenberg hat im Stadtrat für Wirbel gesorgt. Die Fraktionen haben sich eine leidenschaftliche Debatte zum Thema geliefert, das unter der Woche in der Bevölkerung bereits heiß diskutiert worden war.

Westfalen-Blatt/Marco Purkhart - Das Blotenberg-Wohngebiet ist eines von zahlreichen Projekten, für die die Stadt im Haushaltsplan 2012 finanzielle Mittel bereit hält. In den kommenden Jahren sind fast 4,6 Millionen Euro für den Ankauf von Flächen am Nordhang des Blotenberges vorgesehen. Erste Erlöse aus dem Verkauf von Wohnbauflächen erhofft sich die Stadt 2013 und 2014. Der Stadtrat hat diesem Etatentwurf am Donnerstag mit großer Mehrheit zugestimmt. 28 Ja-Stimmen standen sechs Gegenstimmen der Grünen und zwei Enthaltungen der CDU gegenüber. In Wortbeiträgen erläuterten die einzelnen Fraktionen nochmals ihre Sicht zur Finanzlage der Stadt, vor allem aber auch ihre Meinung zum Blotenberg-Projekt.

Bruno Hartmann wiederholte seine bereits in der Presse geäußerte Kritik an den Plänen. »Die Bebauung des Blotenberges weist leider in die völlig falsche Richtung«, sagte der Grünen-Fraktionschef. Angesichts überall sinkender Bevölkerungszahlen sei die Strategie, Neubaugebiete im Grünen auszuweisen, von gestern. Statt neuer Baugebiete forderten die Grünen, gezielt Baulücken im Innenstadtbereich zu schließen und die energetische Sanierung von Alt-Immobilien zu fördern. Sie sprachen sich auch gegen das geplante Gewerbegebiet Rodderheide aus und schlugen stattdessen vor, brachliegende Gewerbeflächen konsequent anzupacken.

Im Gegensatz zur Grünen-Fraktion stimmte die CDU dem Haushalt 2012 zu. Fraktionschef Ulrich Buchalla hob hervor, dass es angesichts leerer Kassen in naher Zukunft vor allem darum ginge, die Einnahmen der Stadt zu verbessern. Aus diesem Grund begrüßt er ausdrücklich das Gewerbegebiet Rodderheide, das 2013 an den Start gehen soll, sowie die Beteiligung am interkommunalen Gewerbegebiet in Künsebeck. Die CDU bedauere es sehr, dass Werther derzeit keine attraktiven Wohnbauflächen anbieten könne, sagte Buchalla. Er warf der Bürgermeisterin diesbezüglich Versäumnisse vor. Das vier Hektar große Blotenberg-Wohngebiet sei allerdings die falsche Antwort. Statt 40 Bauplätze auf einen Schlag im Grünen auszuweisen, ist nach Auffassung der CDU eine moderate, bedarfsgerechte Weiterentwicklung des Wohngebietes Süthfeld II die bessere Alternative: »Dort könnten wir zunächst vorsichtig 20 Bauplätze anbieten und schauen, wie groß die Nachfrage tatsächlich ist.«

Dies wiederum schließt UWG-Fraktionschef Uwe Gehring aus. »Aus diesem Riesengebiet mit 100 Bauplätzen scheibchenweise etwas herauszuschneiden, das wäre aus städtebaulicher Sicht nicht sinnvoll. Und gingen wir das Ganze an, wären wir frühestens in zehn Jahren damit am Start.« Gehring zeigte sich verwundert über die Haltung von Grünen und CDU: »Noch 2009 gab es unter Beteiligung beider Fraktionen Gespräche mit dem Ziel, die Bebauung am Blotenberg zu beschleunigen. Weder die Bevölkerungsentwicklung, noch die Lage des Blotenberges haben sich seither geändert.« Von hoher Bedeutung ist es nach Meinung der UWG, neue Einwohner und Betriebe nach Werther zu locken. Das Gewerbegebiet Rodderheide und das Blotenberg-Wohngebiet seien darum ausdrücklich zu begrüßen, sagte Uwe Gehring.

Annemarie Benndorf übte scharfe Kritik an der Haltung der Grünen. »Sie kritisieren so wichtige Errungenschaften wie den Blotenberg und die Rodderheide, machen aber keine wirklichen Vorschläge zur Verbesserung der Einnahmen der Stadt«, sagte die SPD-Fraktionsvorsitzende. Die Anregung der Grünen, Industriebrachen wie das Weco-Gelände oder die Ziegelei in Wohngebiete umzuwandeln, sei nicht ernst zu nehmen, sagte Benndorf: »Diese Flächen sind konterminiert.« Auch ließe sich der Mangel an Wohnbauflächen nicht durch das Schließen von Baulücken beheben, sagte Annemarie Benndorf: »Da gibt es nur vier bis acht Bauplätze. Das reicht keinesfalls aus.«

Auch die FDP sieht die Verbesserung der Einnahmen als besten Ansatz zur Linderung der städtischen Finanznot. Eine neues Gewerbegebiet werde dringend benötigt, sagte Fraktionschef Jan-Holm Sussieck. Zum Thema Wohnbauflächen sagte er: »Ich habe durchaus Verständnis dafür, wenn man sagt, im Beschränken des Flächenverbrauchs liegt unsere Priorität, wir wollen gar keine zusätzlichen Baugebiete. Ich sage aber: Gerade weil die Menschen auf lange Sicht weniger werden, verschärft sich die Konkurrenz der Städte um junge Familien. Darum müssen wir in der Lage sein, attraktives Bauland anbieten zu können.« Was Sussieck weniger nachvollziehen kann, ist der Versuch, ein Baugebiet am Blotenberg zu verhindern, »ohne eine Idee zu haben, was sonst passieren soll. Denn nur wenn man etwas Konkretes an der Hand hat, kann man doch vergleichen: Zeiträume, Kosten, ökologische Folgen, stadtplanerische Dinge, rechtliche Hürden - was auch immer.« Darum begrüßte er ausdrücklich, dass die CDU das Baugebiet Süthfeld II ins Gespräch gebracht hat: »Hier können wir zwei Optionen miteinander vergleichen.«
 
Bürgermeisterin Marion Weike wehrte sich gegen die Kritik der Grünen, sie habe das Blotenberg-Projekt plötzlich durchgesetzt: »Im Flächennutzungsplan ist der Bereich seit 30 Jahren als Wohnbaufläche ausgewiesen.« Sie betonte, es werde auch nicht der komplette Blotenberg zugebaut. Sie wies auch den Vorwurf zurück, die Öffentlichkeit werde nicht beteiligt. Sie verwies auf eine Sitzung des Planungsausschusses am Dienstag, 24. Januar 2012. Dann solle im Rathaus ein Aufstellungsbeschluss für einen Bebauungsplan gefasst werden: »Anschließend kann auch die Bevölkerung ihre Meinung einbringen. Und darum bitte ich ausdrücklich.«

aktualisiert von Team Werther, 18.12.2011, 14:40 Uhr
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