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19.11.2011

Kritik an Blotenberg-Wohngebiet

Stadt macht sich an den Kauf der vier Hektar großen Fläche - CDU hält dies für eine falsche Entscheidung

Häuslebauer haben in Werther derzeit schlechte Karten. Es gibt schon seit Monaten keine attraktiven Bauplätze mehr. Die Stadt will dieser Not entgegentreten, indem sie ein neues Wohngebiet am Blotenberg ausweist. Die CDU kritisiert diese Entscheidung.

Westfalen-Blatt/Marco Purkhart - Die Stadtverwaltung macht ernst mit dem Wohngebiet am Blotenberg. Im kürzlich vorgestellten Haushaltsplan-Entwurf ist ersichtlich, dass die Stadt in den kommenden Jahren insgesamt 4,6 Millionen Euro in den Ankauf von Flächen investieren will. Erste Erlöse aus dem Verkauf von Wohnbauflächen erhofft sie sich in den Jahren 2013 und 2014.

Auf dem etwa vier Hektar (entspricht sechs Fußballfeldern) großen Gebiet zwischen den Straßen Blotenberg und Teutoburger-Wald-Weg könnten etwa 40 Baugrundstücke entstehen. Und die habe Werther auch dringend nötig, stellt Bürgermeisterin Marion Weike fest: »Die Nachfrage ist da. Und dass wir als attraktiver Wohnstandort nichts anbieten können, ist natürlich bedauerlich.«

So sieht es auch die CDU. »Werther definiert sich ja ausdrücklich als Wohnstadt. Dass wir jetzt bei neuen Wohngebieten mit leeren Händen dastehen, ist das Ergebnis von Fehlplanungen«, sagt CDU-Fraktionschef Ulrich Buchalla. Sein Kollege Hans-Jürgen Wächter meint: »Die Entwicklung wurde einfach nicht frühzeitig genug vorangetrieben.« Überhaupt hat Wächter nach zwei Jahren in der Wertheraner Kommunalpolitik den Eindruck, »dass wichtige Entscheidungen in dieser Stadt viel zu lange aufgeschoben werden. Unsere Nachbarstädte bekommen da mehr auf die Reihe.« Dass die Verwaltung jetzt mit einem neuen Wohngebiet aktiv wird, ist nach Meinung der CDU-Ratsherren längst überfällig. Allerdings halten sie den Blotenberg für die falsche Wahl. Ulrich Buchalla räumt ein: »Auch wir haben einem Wohngebiet am Blotenberg zunächst offen gegenüber gestanden. Unsere Ablehnung hat sich erst entwickelt.« Die CDU äußert gleich mehrere Bedenken gegen die Blotenberg-Planungen. Als umweltpolitischen Aspekt nennt Hans-Jürgen Wächter ein Klima-Phänomen: Eine Häuserfront am Blotenberg könne eine Frischluftschneise abschneiden, die erhebliche Auswirkungen auf die Luftqualität in der Kernstadt habe. Zudem werde der Blotenberg von vielen Wertheranern als »grünes Fleckchen« wahrgenommen. Dieses Stück Natur würde ein Wohngebiet zerstören, sagt Wächter.

Ulrich Buchalla weist darauf hin, dass der Standort keinesfalls ein Filetstück sei: »Der Lärm von der großen Borgholzhausener Straße wird den Hang hinaufkriechen. Das mindert die Attraktivität in erheblichem Maße.« Außerdem sei das Gebiet generell zu groß: »Man muss den demografischen Wandel bedenken. Viele Häuser werden in Werther künftig frei. Da sollte man neue Wohnflächen lieber Stück für Stück anbieten, dafür aber jederzeit welche in der Hinterhand haben.« Als Alternative schlägt die CDU die Nutzung von kleineren, unbebauten Grundstücken im Stadtgebiet vor. Es gebe mehrere verkaufsbereite Besitzer. Als Beispiel nennt Buchalla Flächen im Bereich Zur Mehrwiese/Süthfeld und Webers Kamp: »Dort können zeitnah fünf bis zehn Bauplätze entstehen.« Die CDU hat vor einem Jahr den Antrag gestellt, die Verwaltung möge Besitzer solcher Kleinflächen gezielt ansprechen. »Getan hat sich in dieser Hinsicht leider wenig«, sagt Buchalla.

Seinen Angaben zufolge hat sich die Politik hinter verschlossenen Türen längst auf das Blotenberg-Wohngebiet geeinigt. CDU und Grüne, die dies ablehnen, sind im Stadtrat in der Minderheit. »Trotzdem hoffen wir, dass die anderen ihre Entscheidung nochmal überdenken«, sagt Ulrich Buchalla.

aktualisiert von Team Werther, 19.11.2011, 23:42 Uhr
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