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04.11.2011

Mehr Inhalt statt neue Verpackung

Meinungen zu Böckstiegelstadt-Schildern

Auf Werthers Ortsschildern soll nach Wunsch von Bürgermeisterin Marion Weike künftig der Beiname »Böckstiegelstadt« zu lesen sein. Ein Vorschlag, der im Stadtrat nicht generell auf Gegenliebe stößt.

Westfalen-Blatt/Marco Purkhart - Wie berichtet, will die Bürgermeisterin der Politik den offiziellen Namenszusatz für die Ortseingangstafeln vorschlagen. Wie teuer die Investition wäre, ist allerdings unklar. Schätzungen belaufen sich auf bis zu 200 Euro für ein neues Schild. Nach Angaben des Ordnungsamtes gibt es im Stadtgebiet mehr als 20 Schilderstandorte.

CDU-Fraktionschef Ulrich Buchalla
bezeichnet den Vorschlag der Bürgermeisterin als »nicht besonders zielführend«. Eine plakative Darstellung auf Ortseingangsschildern sei vor allem für Besucher ohne Ortskenntnis wenig aufschlussreich: »Jemand aus Halle weiß natürlich, warum da Böckstiegelstadt steht. Doch jemand aus Dortmund könnte Böckstiegel genauso gut für eine Apfelsorte halten.«

Wo Böckstiegel drauf stehe, müsse auch Böckstiegel drin sein, meint Buchalla. »Davon sind wir aber noch weit entfernt«, sagt er. Buchalla fordert: »Lieber wäre mir mehr Inhalt anstelle einer neuen Verpackung. Wir sollten daran arbeiten, den Künstler in unserer Stadt erlebbarer zu machen.« Letzteres habe die CDU bereits im vergangenen Juli offiziell per Antrag angeregt. Damals sei vereinbart worden, dass eine Delegation aus Stadtverwaltung und Politik gemeinsam mit Stadtführern und dem Heimatverein die Innenstadt besichtigt. Dabei sollte gezielt nach geeigneten Plätzen Ausschau gehalten werden, an denen Böckstiegels Wirken und Leben öffentlich erläutert werden könnte.

Dies sei bis heute nicht geschehen, bedauert Buchalla: »Solch ein Streifzug durch die Stadt könnte neue Impulse geben und die Kreativität fördern. Es gibt sicherlich viele Möglichkeiten, Böckstiegel attraktiv zu präsentieren.« Buchalla könnte sich zum Beispiel eine Info-Tafel am Alten Markt vorstellen: »Da kommen im Sommer sehr viele Leute wegen der Eisdiele hin. Dort ließe sich prima etwas umsetzen.«

Ähnlich kritisch äußert sich Jan-Holm Sussieck zum Namenszusatz auf Ortsschildern. Der Vorsitzende der FDP-Fraktion wünscht sich, dass in der Öffentlichkeit mehr Inhalt zum Künstler geboten werde: »Ein plakativer Anstrich bringt uns auch aus touristischer Sicht nicht wirklich voran. Da müssen wir schon mehr leisten.« Sussieck meint, dass von einer neuen Beschilderung kein wirklicher Nutzen ausgehe: »Eine finanziell klamme Stadt sollte für eine Sache, die sie nicht unbedingt braucht, kein Geld in die Hand nehmen.«

Annemarie Benndorf hingegen bewertet die Diskussion anders. Zwar merkt auch die SPD-Fraktionsvorsitzende an, dass Werther sich inhaltlich erst noch zu einer Böckstiegelstadt entwickeln müsse. Doch fände sie ein entsprechendes Künstler-Etikett am Ortseingang bereits jetzt gut: »Wir sind uns ja alle einig darin, dass wir mit Böckstiegel in Werther noch viel vor haben und dass das Entwicklungspotenzial groß ist. Darum finde ich, dass man auch im Vorfeld schon Schilder anbringen kann. Das ist legitim.«

Uwe Gehring von der UWG hätte persönlich nichts gegen den Namenszusatz einzuwenden. »Ich könnte mir allerdings vorstellen, dass die Meinung innerhalb der Bevölkerung dazu gespalten ist. Nicht alle Wertheraner sind uneingeschränkt pro Böckstiegel eingestellt«, sagt er. Mit dem Slogan »Böckstiegelstadt« lege sich Werther sehr stark fest: »Wir haben hier schließlich noch weitere Vorzüge zu bieten.« Grünen-Fraktionsvorsitzender Bruno Hartmann wollte sich gestern zu dem Thema noch nicht äußern: »Böckstiegel ist selbstverständlich wichtig für unsere Stadt. Darum möchte ich das Thema zunächst in Ruhe mit meiner Fraktion diskutieren.«

aktualisiert von Team Werther, 04.11.2011, 19:08 Uhr
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