Pressearchiv

26.10.2011

Elektro-Autos für Werther sinnvoll?

CDU-Vorsitzende Anke Brillen spricht über die Mobilität der Zukunft und schlägt der Stadt ein Modellprojekt vor

Auf eine Reise durch Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Straßenverkehrs hat Anke Brillen das Publikum bei einem Vortrag mitgenommen. Die CDU-Stadtverbandsvorsitzende und Wirtschafts-, Finanz und Automobil-Journalistin sprach im Haus Werther über die »Mobilität der Zukunft«.

Westfalen-Blatt/Frauke Brauns -  Anke Brillen skizzierte eine paradoxe Entwicklung auf den Straßen: Der Verkehr wachse, obwohl die Bevölkerung zurückgehe. Statistiken besagen, dass die weltweite Gesamtfahrleistung von 588 Milliarden Kilometern pro Jahr bis 2020 auf 595 Milliarden Kilometer ansteigt, danach aber bis 2030 wieder auf 590 Milliarden Kilometer zurückgeht. Gleichzeitig wird sich die Anzahl der Fahrzeuge - heute sind es eine Milliarde - verdoppeln. Schon jetzt verbringen laut Anke Brillen Autofahrer, vor allem in Großstädten, 50 Prozent ihrer Fahrzeit in der Rushhour am Morgen und zwischen 16 und 17 Uhr nachmittags. Durch Staus entstehe in Europa ein finanzieller Schaden von täglich 250 Millionen Euro. »13 Millionen allein durch verlorene Zeit«, erläuterte Anke Brillen.

Bei einem Blick in die Vergangenheit zitierte die Journalistin die Ergebnisse einer Tagung von Städtebau-Architekten im Jahr 1933. Die Teilnehmer stellten damals fest, dass die Trennung von Arbeit und Wohnung die Städte schmutzig mache und verstopfe. Aber lange Zeit setzte man automobile Mobilität mit sozialem Aufstieg gleich. Wer sich ein Auto und damit ein Häuschen am Stadtrand leisten konnte, hatte den sozialen Aufstieg geschafft, so Brillen weiter. Der Bau von Autobahnen und Straßen als Zubringer zum Arbeitsplatz sei in der Vergangenheit plausibel gewesen. Dagegen gab die CDU-Stadtverbandsvorsitzende zu bedenken, dass im Zeitalter von Datenautobahnen Unternehmen eher in die elektronische Ausrüstung ihrer Mitarbeiter als in Dienstfahrzeuge investieren sollten. Zudem plädierte sie dafür, nahe am Arbeitsplatz zu wohnen. Ihr selbst sei es wichtig, zu Fuß ihr Büro erreichen zu können, betonte sie. Das entlaste die Innenstädte von Feinstaub und Schmutz und mindere außerdem das Parkplatzproblem.

Die Reduzierung von Abgasen sei auch ein Grund, die Elekromobilität voranzutreiben, denn sie sei zumindest lokal gesehen emissionsfrei. Global betrachtet aber entstehen dort, wo der Strom aus fossilen Ressourcen gewonnen wird, sehr wohl Abgase. Atomkraftwerke hingegen produzieren Atommüll. Und Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien sei zumindest zurzeit in der notwendigen Menge noch nicht vorhanden. Hier müsse man die Entwicklung abwarten. Auch verfügten heutige Elektromobile nur über eine geringe Reichweite.

Sollte das so bleiben, fördere das allerdings eine gewünschte Verlagerung zumindest des Fernverkehrs von der Straße auf die Schiene. Was wiederum zur Folge habe, dass die Automobilindustrie vermutlich Elektroautos mit großer Kilometerleistung produzieren wolle. In naher Zukunft jedenfalls hält Brillen es für wahrscheinlich, dass Neubauten Parkplätze mit Stromanschluss haben werden.

In dieser Situation aber, in der noch eine Menge Fragen unbeantwortet seien und sowohl die Europäische Union als auch die Bundesrepublik nach Lösungen suchen, habe die Stadt Werther Handlungsspielraum. Elektro-Autos rechneten sich zwar vor allem für Großstädte mit hoher Schadstoffbelastung, so Brillen. Aber obwohl es in dieser Hinsicht den Menschen in Werther noch gut gehe, »werden wir an den Kosten der Entwicklung beteiligt«, ist sich Brillen sicher. Um sich aber auch inhaltlich zu beteiligen, rät die Journalistin der Stadt, vom Wandel zu profitieren und zu einem »Schaufenster« zu werden.

Die Stadt könne zum Beispiel Gelder für ein Modellprojekt beantragen. Anke Brillen denkt da an eine Studie zu Elektromobilität, die sich mit folgenden Fragen beschäftigen könnte: Was wünscht sich die Bevölkerung in Werther? Wie ist die Bevölkerungsentwicklung hier? Wann kann der Bürgerbus tatsächlich mit Strom fahren? Und wie könnte man sicherstellen, dass der für das Autofahren verwendete Strom emissionsfrei ist?

aktualisiert von Team Werther, 26.10.2011, 21:48 Uhr
Diese Meldungen könnten Sie ebenfalls interessieren...
Alle verwandten Meldungen
... zur Übersicht