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13.07.2011

Anke Brillen erobert die CDU-Spitze

48-jährige Newcomerin aus Werther feiert ihr politisches Debüt als Vorsitzende des Stadtverbandes


Wechsel an der Spitze der Wertheraner CDU: Jörn Treichel gibt den Vorsitz des Stadtverbandes nach nicht einmal zwei Jahren ab. Zu seiner Nachfolgerin wurde am Montagabend die Wirtschaftsjournalistin Anke Brillen gewählt. Mit dem Einstieg in die aktive Politik betritt die 48-Jährige Neuland.

Westfalen-Blatt/Marco Purkhart -
In ihrer Antrittsrede im Gasthof Bergfrieden formulierte Anke Brillen ihre Ziele. »Die CDU soll in Werther wieder eine wichtige Kraft werden, die positiv wahrgenommen wird«, sagte sie. Dies wolle sie zum einen mit Veranstaltungen erreichen, in denen die Bürger über aktuelle politische Themen informiert werden.

Zum anderen will Brillen die CDU voranbringen, indem sie in Kontakt mit Bürgern, aber auch mit anderen politischen Kräften in Werther in Kontakt tritt. »Ich bin jemand, der das Gespräch sucht«, erklärte Anke Brillen und fügte in der CDU-Runde mutig eine Bemerkung zu Bürgermeisterin Marion Weike (SPD) hinzu: »Ja, Frau Weike und ich kennen uns. Und ja, ich mag sie sehr gut leiden.« Von den 28 anwesenden CDU-Mitgliedern gaben Brillen bei der Vorstandswahl 20 ihre Stimme. Zwei enthielten sich, sechs stimmten dagegen. Anke Brillen lebt seit 1999 in Werther. Sie ist Mutter einer Tochter und bekennende Katholikin. In der katholischen Kirchengemeinde St. Michael engagiert sie sich als ehrenamtliche Küsterin. Zudem ist sie zweite Vorsitzende der Kolpingfamilie Werther.

Anke Brillen räumte im Gespräch mit dem WESTFALEN-BLATT offen ein, dass sie bislang noch nicht politisch aktiv war. Auch ist sie erst vor einem Jahr in die CDU eingetreten. »Ich denke aber nicht, dass das ein Problem ist. Ich war schon immer politisch interessiert und wollte mich schon immer engagieren«, sagte sie. Aufgrund ihres zeitintensiven Berufes als Journalistin habe sie sich dazu bislang nicht durchringen können. »Als ich gefragt wurde, ob ich mir Vorstandsarbeit in der CDU vorstellen könne, war ich aber sofort voll dafür. Ich freue mich sehr auf meine Aufgabe«, sagte sie.

Ein glückliches Händchen dabei wünschte ihr Gerhard Rudorf. Das CDU-Urgestein wurde für seine 50-jährige Mitgliedschaft in der Partei geehrt und nutzte die Gelegenheit auch für einige kritische Worte. Er erinnerte an den verstorbenen Altbürgermeister Heinrich Venghaus, der immer gerade Kante gefahren sei: »Solche Leute fehlen uns in der CDU.«

Gerhard Rudorf, der selbst 33 Jahre im Wertheraner Stadtrat aktiv war, sprach von Zeiten, in denen die CDU 16 von 17 Wahlbezirken gewonnen habe: »Davon können wir heute nur träumen.« Bei der Kommunalwahl 2009 holte bekanntlich die SPD alle Bezirke. Die CDU trug damals einen Imageschaden davon - nicht zuletzt aufgrund eines Wahlkampfes, der phasenweise von verbalen Entgleisungen begleitetet wurde. In dieser schwierigen Zeit hatte Jörn Treichel die CDU übernommen. Als er im November 2009 zum Nachfolger von Ulrich Buchalla gewählt wurde, hatte Treichel vor allem drei Ziele. Erstens: Es sollte Ruhe innerhalb der CDU einkehren. Zweitens: Die CDU sollte im politischen Diskurs wieder zur Sachlichkeit zurückkehren. Und drittens: Die Partei sollte für die Bürger erlebbarer werden. Am Montag zog Treichel nun eine Bilanz. Die beiden ersten Ziele habe er erreicht. »Was die Erlebbarkeit angeht, haben wir jedoch erst in diesem Jahr mit einigen Vortragsveranstaltungen zugelegt. Das genügt meinem eigenen Anspruch nicht«, erklärte der 36-jährige Wertheraner. Sein fordernder Beruf ließe Treichel kaum Zeit, sich intensiver um die CDU zu kümmern. Im Herbst 2010 war er kurzfristig bei der Volksbank Halle zum Prokuristen aufgestiegen. »Wäre diese Entwicklung absehbar gewesen, hätte ich mich 2009 nicht für die CDU zur Wahl gestellt. Ich mache keine halben Sachen, darum gebe ich den Vorsitz jetzt ab«, erklärte er.

Treichel betonte, dass es keinerlei Querelen innerhalb des Vorstandes gegeben habe: »Ich habe diese Entscheidung wirklich nur aus Zeitgründen getroffen.« Er bleibt der CDU als Beisitzer und Ratsherr erhalten.

An der Versammlung nahm auch CDU-Kreisvorsitzender und Bundestagsmitglied Ralph Brinkhaus teil. Er sprach über die Herausforderungen, vor die der geplante Ausstieg aus der Kernenergie Deutschland stelle. Ein Bericht über den Vortrag folgt in einer der nächsten Ausgaben.

aktualisiert von Team Werther, 13.07.2011, 08:55 Uhr
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