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12.07.2011

Prima Klima in Gefahr?

CDU befürchtet: Neues Wohngebiet am Blotenberg könnte die Luftqualität in Werther negativ beeinflussen

Mit einem neuen Wohngebiet am Blotenberg will die Stadt spätestens 2013 endlich wieder freie Wohnbauflächen anbieten. Doch ist das auch der richtige Standort? Die CDU warnt davor, dass eine Bebauung des Blotenberges "die herausragend gute Luftqualität in Werther" verschlechtern könne.

Noch ist der Blick frei ...
Westfalen-Blatt/Marco Purkhart -
Wie berichtet, will die Stadt das Grundstück rund um den Hof Overbeck am Nordhang des Blotenberges ankaufen. In dem Bereich soll ein neues Wohngebiet entstehen. Denn: Häuslebauer haben in Werther derzeit keine Möglichkeit, ihre eigenen vier Wände hochzuziehen. Lediglich in Häger gibt es noch drei freie Flächen, die bislang aber wenig begehrt sind. »Es besteht also Handlungsbedarf«, sagt Bürgermeisterin Marion Weike. Den Bereich Blotenberg hält sie für sehr interessant, vor allem aufgrund der Nähe zu Bielefeld.

Vor einer unüberlegten Bebauung am Blotenberg warnt jedoch die CDU. Hintergrund ist ein Klima-Phänomen, mit dem sich CDU-Mitglied Jürgen Wächter beschäftigt hat. Der Vorsitzende des Stadtentwicklungsausschusses, der sich als Mitarbeiter des Bielefelder Umweltamtes mit solchen Themen auskennt, sagt: »Der Blotenberg in seiner jetzigen Form trägt bedeutend dazu bei, dass wir in Werther eine sehr gute Luftqualität haben.« Denn vom Blotenberg aus verlaufen nach Angaben von Jürgen Wächter mehrere Frischluftschneisen, die in der gesamten Innenstadt für ein angenehmes Klima sorgen.

Wie muss man sich das vorstellen? Um den Vorgang zu verstehen, muss man zunächst zum Hengeberg zwischen Halle und Werther schauen. Dieser Kamm des Teutoburger Waldes ist mit 316 Metern die höchste Erhebung im Kreis Gütersloh. »Dort oben kühlt sich die Luft nachts besonders stark ab. Und wir wissen alle: Kalte Luft will nach unten«, erklärt Wächter. Die kühle Luft zieht also ins Tal, wo die Stadt Werther liegt. »Die warme Luft wird somit aus der Stadt verdrängt und ausgetauscht. Dadurch verflüchtigen sich auch die Abgase. So entsteht die phantastische Luft in Werther«, sagt Jürgen Wächter. Weil sich diese Frischluftschneise ihren Weg vom Hengeberg aus über den Blotenberg durch die Stadt bis ins Schwarzbachtal bahne, profitiere der gesamte Stadtkern von diesem Kamineffekt, sagt er. Wächters Befürchtung ist nun, dass ausgerechnet ein Wohngebiet am Blotenberg mit hochragenden Häusern diese »Riecht gut«-Achse unterbrechen könnte. Darum plädiert er für einen sensiblen Umgang mit dem Bereich: »Die gute Luft wird auch von unserer Bevölkerung sehr bewusst wahrgenommen. Um diesen Standortfaktor beneiden uns viele andere Städte.«

Auch aus einem anderen Grund rät Wächter zu Vorsicht. Der Blotenberg sei ein optisch attraktiver Bereich in Werther. Es gebe eine Sichtachse vom Alten Markt bis zum Blotenberg. »Der Blick vom Blotenberg hinunter auf die Kirche ist das Fotomotiv, das man von der Stadt am häufigsten im Internet findet«, sagt Wächter. Er weist zudem darauf hin, dass der Blotenberg eine von drei Erholungsachsen aus der Stadt heraus darstelle. Diese Gedanken hat Jürgen Wächter vor einiger Zeit im Ausschuss für Stadtentwicklung in einem Vortrag dargestellt. Das Thema stieß in allen Fraktionen auf Interesse. So fasste die Politik einstimmig den Beschluss, die Stadt möge bei der Bebauung des Blotenberges darauf achten, dass Freiräume geschaffen werden, damit vor allem der Effekt der Frischluftschneise erhalten bleibt. Der Politik liegt es eben am Herzen, dass nicht nur im Stadtrat prima Klima herrscht.

aktualisiert von Team Werther, 12.07.2011, 09:51 Uhr
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