Stadtrat kippt Pflaster-Beschluss Intensive Diskussion über Sanierung: Baumtore sollen nun doch mit dunklem Bitumen ausgegossen werden
Wie sehr das marode Kopfsteinpflaster der Ravensberger Straße die Gemüter bewegt, hat die Sitzung des Stadtrates am Donnerstag gezeigt.
SPD-Politiker Hanns Lindemann brachte es auf den Punkt: »Diese Diskussion ist so alt wie das Pflaster selbst. Und wahrscheinlich gibt es dazu so viele Meinungen, wie es Pflastersteine gibt.« Entsprechend leidenschaftlich verlief die Debatte im Rat, wie die Ravensberger Straße denn nun auf Vordermann gebracht werden soll.
Am Ende kippten die Politiker den vor einer Woche vom Bauausschuss mit knapper Mehrheit gefassten Beschluss, das Pflaster quasi in der gleichen Weise wie bisher neu zu verlegen. Stattdessen kommt es zu einem Kompromiss. Denn jetzt sollen zumindest die durch den Verkehr besonders beanspruchten Baumtore mit Bitumen ausgegossen werden. Diese Lösung hatten CDU und UWG bereits im Bauausschuss vorgeschlagen. Sie wurde allerdings abgelehnt - vor allem aus ästhetischen Gründen wegen der dunklen Farbe der Fugenmasse.
Im Rat fand sich dafür nun doch eine Mehrheit, die sich von Bitumen neben einer Kostenersparnis vor allem mehr Stabilität und eine längere Haltbarkeit des Pflasters erhofft. 22 Ja-Stimmen standen fünf Gegenstimmen und sieben Enthaltungen gegenüber. Damit ist die Sanierung der Ravensberger Straße beschlossene Sache.
Weil das Bitumen nur an den Baumtoren eingesetzt werde und seine von Gegnern immer wieder kritisierte unschöne Optik wegen der dunklen Fugen nicht flächendeckend entfalten könne, könne auch Bürgermeisterin Marion Weike mit diesem Kompromiss gut leben, wie sie erklärte.
Mit einem zufriedenen Lächeln verließ auch Paul-Heinz Wöhrmann den Ratssaal im Haus Werther. Der Vorsitzende des Heimatvereins, der mit einer Probepflasterung vor dem Bankverein das Bitumen vor knapp vier Jahren ins Gespräch gebracht hatte, sagte: »Ich freue mich, dass sich die Politik in der Pflaster-Frage noch einmal umentschieden hat. Der Kompromiss ist eine gute Wahl.« Der Heimatverein Werther hatte vor der Ratssitzung öffentlich an die Politik appelliert, nicht auf dem seiner Meinung nach zu schnell gefassten Beschluss des Bauausschusses zu beharren. Im Nachgang jener Ausschuss-Sitzung vor einer Woche haben sich offenbar auch die Fraktionen noch einmal intensiv mit dem Pflaster-Problem befasst. Denn neben der jetzt beschlossenen Variante wurden im Stadtrat zwei weitere Vorschläge diskutiert. Uwe Gehring (UWG) stellte fest: »Eigentlich ist dieses wichtige Thema noch nicht beschlussreif.« Darum stellte er den Antrag, die Entscheidung zu vertagen, noch einmal intensiver zu beraten und in einem Monat erneut abzustimmen.
Dieser Antrag wurde ebenso abgelehnt wie ein Vorstoß der Grünen-Fraktion. Deren Vorsitzender Bruno Hartmann hatte vorgeschlagen, das Pflaster zwei weitere Jahre in seinem jetzigen Zustand liegen zu lassen und nur an den Stellen zu reparieren, wo es wirklich nötig ist: »Der Bauhof könnte in dieser Zeit den Pflegeaufwand für das Pflaster erhöhen. Vielleicht sind die Probleme dadurch in den Griff zu bekommen.«
CDU-Fraktionschef Ulrich Buchalla hielt entschieden dagegen und sprach den meisten seiner Ratskollegen aus dem Herzen: »Wir diskutieren seit Jahren über dieses Thema. Es muss jetzt endlich was passieren: Wir dürfen nicht so lange warten, bis plötzlich eine Seniorin mit ihrem Rollator im Pflaster stecken bleibt oder etwas noch Schlimmeres passiert.«
aktualisiert von Team Werther, 24.05.2010, 23:30 Uhr |