Politik bremst Plan für Weco-Center aus Einkaufszentrum nicht ohne Weiteres machbar - Entscheidung hängt von Gerichtsurteil ab
Das von Unternehmer Gerhard Wehmeyer geplante Weco-Center ist nach derzeitiger Rechtslage nicht genehmigungsfähig. Das hat ein Vertreter der Bezirksregierung am Donnerstag im Ausschuss für Stadtentwicklung unmissverständlich klar gemacht.
Erstmals hat die Politik öffentlich über Wehmeyers Entwurf für ein Einkaufszentrum diskutiert. Er plant, den Gewerbepark-Weco an der Engerstraße abzureißen und auf dem 30 000 Quadratmeter großen Grundstück unter dem Namen »Weco-Center« einen Einkaufskomplex mit acht Märkten mit insgesamt 8500 Quadratmetern Verkaufsfläche zu errichten (das WB berichtete mehrfach). Bei der Präsentation seiner Pläne erklärte Wehmeyer noch einmal, dass er eine »Win-Win-Situation« für alle Beteiligten schaffen wolle: »Ich will eine wirtschaftliche Lösung für mein Gelände und einen Gewinn für die Stadt.«
In der Ausschuss-Sitzung, die etwa ein Dutzend interessierte Wertheraner Geschäftsleute verfolgten, kam auch die Rechtslage zur Sprache. Sehr deutlich bezog Erhard Ferlemann von der Bezirksregierung dazu Stellung: »Nach derzeitigem Recht ist das Projekt nicht machbar.« Er verwies auf Paragraph 24 a des Landesentwicklungsprogramms. Danach ist Einzelhandel mit Verkaufsflächen von mehr als 800 Quadratmetern nur im zentralen Versorgungsbereich zulässig. »Das Weco-Gelände liegt jedoch mitten in einem Industrie- und Gewerbegebiet. Die Stadt müsste diesen Bereich also in allgemeinen Siedlungsbereich umwandeln, wo großflächiger Einzelhandel möglich wäre«, erklärte Ferlemann. Darüber zu entscheiden hätte der Regionalrat. Solch ein Vorgang dauert laut Ferlemann mindestens ein Jahr.
Von einer Flächenumwandlung wäre allerdings auch der benachbarte Autozulieferer Poppe & Potthoff betroffen, der vermutlich rechtliche Vorteile und Entwicklungsmöglichkeiten verlieren würde, die ein Gewerbegebiet bietet. Bürgermeisterin Marion Weike stellte klar: »P & P ist mit mehr als 200 Arbeitsplätzen unser größter Arbeitgeber. Wir dürfen die Interessen dieses Unternehmens nicht verletzen.«
Dass nur die Weco-Fläche in Siedlungsbereich umgewandelt werden kann, während P & P das Gewerbegebiet erhalten bleibt, schloss Erhard Ferlemann aus: »Dann würde rund um P & P eine Insellage entstehen. So etwas lassen wir nur ab einer Größe von zehn Hektar zu. Davon ist der Betrieb jedoch weit entfernt. Ich sehe da keine Chance.«
Kritische Stimmen kamen auch aus der Politik. Karin Oberwelland (SPD) erklärte, P & P dürfe nicht tangiert werden. Außerdem sorge sie sich um den Bereich am Alten Markt, der auszusterben drohe. Wolfgang Böhm (Grüne) sagte: »Wir stehen diesem Konzept sehr, sehr skeptisch gegenüber. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Innenstadt vom Weco-Center profitiert, weil überhaupt keine Fußläufigkeit zur Ravensberger Straße besteht.« Einzig Karl-Hermann Grohnert von der CDU erklärte, dass seine Fraktion dem Vorhaben wohlwollend begegne: »Der Plan hat einen gewissen Charme. Ein Gartencenter und ein Wohnstore würden Werther gut tun. Was uns nicht gefällt, ist der Vollsortimenter. Aber das wäre eine Kröte, die wir wohl schlucken würden.«
In Bezug auf den Vollsortimenter mit etwa 1900 Quadratmetern Verkaufsfläche ließ der Planer des Weco-Centers, Architekt Werner Fortriede aus Lübbecke, eine interessante Bemerkung fallen: »Es wäre auch denkbar, den Edeka auf unser Gelände zu holen, sofern wir für eine Nachfolgelösung am Alten Markt sorgen würden.« Edeka-Betreiber Jürgen Lewin sagte auf Anfrage dem WESTFALEN-BLATT, dass er sich einen Umzug auf das Weco-Gelände vorstellen könne: »Es gab aber noch keine konkreten Gespräche.«
Auf die von verschiedenen Seiten geäußerten Bedenken reagierte der auf eine schnelle Umsetzung seines Vorhabens drängende Gerhard Wehmeyer während der Sitzung in einer Form, die nicht wenige Anwesende als offene Drohung gegenüber der Stadt empfanden: »Wenn wir jetzt Mauern aufbauen, dann kann ich auch auf das "System Rewe" zurückgreifen und die Sortimente auf mehrere kleine Gebäude aufteilen, um unter 800 Quadratmetern Verkaufsfläche zu bleiben.« Marion Weike hielt dagegen: »Wenn wir über das Gelände eine Veränderungssperre legen, liegt das Vorhaben für drei Jahre auf Eis. Außerdem glaube ich nicht, dass so viele kleine Märkte in dieser Dichte genehmigungsfähig werden.«
aktualisiert von Team Werther, 15.02.2010, 17:37 Uhr |