Eine Gesamtplanung muss her Politik bringt Einzelhandelskonzept für Gewerbegebiet Esch auf den Weg, fordert aber noch mehr
Eigentlich sollte es im Planungsausschuss am Dienstagabend nur um die Gliederung von Einzelhandel im Gewerbegebiet Esch gehen. Doch die Diskussion nahm eine ungeahnte Wendung: Die Politik brachte andere Baustellen wie das Weco-Gelände und die Ziegelei ins Gespräch, die ebenfalls dringend einer Betrachtung bedürfen.
„Es fehlt an einem Gesamtkonzept für Werther“, bemängelte Thorsten Schmolke (Grüne) mit Nachdruck. Ein Plan also, der festlegt, wo in Werther künftig Wohn- und Gewerbeflächen angesiedelt werden.
Viel ist in der Vergangenheit über das Gewerbegebiet Esch diskutiert worden. Schon vor Realisierung der Märkte auf dem Kippskrug-Gelände geriet es regelmäßig in die Schlagzeilen, immer im Zusammenhang mit Lebensmittel-Einzelhandel.
Seit Anfang des neuen Jahrtausends versuchte der Lidl, hier Fuß zu fassen, verschiedene Grundstücke wurden ins Auge gefasst, eine Genehmigung hat es jedoch nie gegeben.
Das gleiche gilt für den Aldi, auch er hatte lange vor seinem Umzug aufs Kippskrug-Gelände Pläne für einen Standortwechsel innerhalb des Areals. Mit der Bebauung des Kippskrug- Geländes und dem Leerstand der ehemaligen Edeka und Aldi-Flächen sieht die Stadt nun dringenden Handlungsbedarf, das komplette Gelände räumlich zu strukturieren.
Dabei ginge es nicht um eine Neugliederung, wie Planer Dirk Tacke vom Büro Enderweit + Partner aus Bielefeld betonte. Sondern darum, über die Änderung des Bebauungsplanes Steuerungsmöglichkeiten einzurichten, die Lebensmittel-Einzelhandel begrenzen und stattdessen die Ansiedlung von Produktions- und Handwerksbetrieben unterstützen würden.
Dazu wurde die Fläche in drei Bereiche unterteilt. Im größten, in dem auch das Tiede-Gelände liegt, soll Einzelhandel grundsätzlich untersagt werden. Lediglich Fabrikverkäufe ansässiger Firmen seien in kleinem Maßstab erlaubt.
Im zweiten Bereich an der Engerstraße sei Einzelhandel zwar gestattet, jedoch nicht mit zentren- oder nahversorgungsrelevanten Sortimenten. Mit anderen Worten: Lebensmittel nein, Fachmärkte wie Möbel, Kfz oder Bauartikel ja. Bereich drei umfasst dann das Kippskrug-Gelände mit Rewe und Aldi-Markt.
Genau hier warf die Politik Fragen auf: Warum wird dieser Bereich über die Aldi-Flächen hinaus zur Straße Esch weitergeführt? „Dann wäre ja weiterer Einzelhandel möglich, denn das betreffende Grundstück zu kaufen ist nur eine Frage des Geldes“, kritisierte Karl-Hermann Grohnert (CDU).
„Und was ist mit dem Weco-Gelände?“, wollte er wissen. „Wenn da bald auch noch was entsteht, ist der Laden voll.“ Wolfgang Böhm (Grüne) indes fragte nach dem Tiede-Gelände. Dort sei schließlich gerichtlich erstritten worden, Einzelhandel zu realisieren.
Und zu guter Letzt gäbe es da noch das inzwischen aufgegebene Ziegeleigelände, erinnerte Thorsten Schmolke und forderte ein Gesamtkonzept für Werther. In dieser Richtung soll sich demnächst etwas tun.
Ein Workshop soll sich mit einer Gesamtplanung befassen, in die auch das Weco-Gelände einbezogen wird. Was das Gewerbegebiet Esch angeht, erteilte die Politik mit knapper Mehrheit und gegen die Stimmen von CDU und Grünen grünes Licht für den Einstieg ins Planänderungsverfahren.
Als nächste Schritte folgen nun in absehbarer Zeit die frühzeitige Bürgerbeteiligung und die Beteiligung der Träger öffentlicher Belange.
aktualisiert von Team Werther, 04.02.2010, 09:58 Uhr |