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| 13.05.2010, 11:30 Uhr |
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Altes Pflaster statt "Kaugummi-Effekt" Reizthema "Ravensberger Straße": Knappe politische Mehrheit stimmt für Neuverlegung vorhandener Steine
In der Diskussion um das Reizthema »Ravensberger Straße« ist eine erste Entscheidung gefallen. Mit einer knappen Mehrheit hat der Bauausschuss beschlossen, das marode Pflaster durch eine Neuverlegung der alten Porphyr-Steine in der jetzigen Bauweise zu sanieren.
Zwei Jahre hat die Stadt zuletzt die Unterhaltungsmaßnahmen an der Straße im Herzen Werthers ruhen lassen. Die Verwaltung wollte eine Lösung finden, wie das Pflaster-Problem möglichst nachhaltig gelöst werden kann.
Drei Möglichkeiten kristallisierten sich dabei heraus. Erstens: eine Neuverlegung in starrer Bauweise, wobei die Fugen mit Beton ausgegossen werden und bombenfest liegen. Diese wohl haltbarste Variante schied schon wegen des extrem hohen Preises von 365 Euro pro Quadratmeter aus. Für die gesamte Pflasterfläche auf der Ravensberger Straße (1.700 Quadratmeter) wären folglich 620.000 Euro fällig gewesen. Als zweite Variante stand eine Versiegelung der Steine mit Bitumen zur Debatte. Eine entsprechende Probepflasterung hatte der Heimatverein Werther 2006 vor dem Gebäude des Bankvereins für 5.000 Euro anlegen lassen. Mit 180 Euro pro Quadratmeter wäre Bitumen die günstigste Variante. Die Verwaltung entschied sich jedoch dagegen, weil die dauerhaft verklebten Steine nicht wieder verwendet werden können, falls die Straße aufgerissen werden muss. Den Ausschlag habe letztlich aber die schwarze Farbe der Fugen gegeben, sagte Bürgermeisterin Marion Weike: »Dieser Kaugummi-Effekt ist nicht schön.«
Die Verwaltung sprach sich letztlich für die dritte Möglichkeit aus: eine Neuverlegung der Steine mit der so genannten dynamischen Bauweise. »Die Steine werden ähnlich wie jetzt verlegt, nachdem der Untergrund saniert worden ist«, erklärte Bauamtsleiter Jens Kreiensiek. Die bisherige Optik bliebe erhalten. Neu wären lediglich spezielle Gitter im Untergrund und Brechsand anstelle von Splitt als Fugenmaterial. Von beidem verspricht sich Kreiensiek mehr Stabilität und eine längere Haltbarkeit des Pflasters. Regelmäßige Nachbesserungsarbeiten seien aber weiter nötig, räumte er ein. Der Quadratmeterpreis beträgt 210 Euro. Vor allem der Optik wegen sprach sich die SPD für diese Variante aus. »Die ursprüngliche Idee des Pflasters ist die Ästhetik. Und die würde durch schwarze Fugen verwässert«, sagte Fraktionschefin Annemarie Benndorf.
Wolfgang Böhm (Grüne) lehnte Bitumen ebenfalls ab: »Das Material wird sich eines Tages ebenso vom Stein lösen, wie man das von Silikon an Fenstern kennt. Das kann man vorm Bankverein bereits beobachten. Dort ist schon Wasser eingedrungen.« Böhm warnte außerdem davor, dass das Verkehrstempo in der Innenstadt desto mehr zunehme, je ebener die Straße sei. Auch der Optik-Aspekt spielt für die Grünen eine wichtige Rolle.
Eine andere Meinung dazu äußerte Karl-Hermann Grohnert (CDU). Er hat nach eigenen Angaben beim Stadtfest am Wochenende die Besucher gefragt, ob sie die schwarzen Fugen vorm Bankverein stören. »Die meisten haben das Schwarz erst bemerkt, als ich sie darauf hingewiesen habe. Und fast jeder fand es in Ordnung. Darum ist das mit der Optik so 'ne Sache.« Zudem stellte Grohnert fest: »Die Probepflasterung liegt jetzt seit dreieinhalb Jahren und ist immer noch in gutem Zustand. Das spricht für das Material.« Man müsse ja nicht gleich die ganze Ravensberger Straße mit Bitumen ausgießen. »Wir könnten auch nur die Baumtore mit Bitumen machen und den Rest wie gehabt«, regte Grohnert an. Die UWG teilte diese Auffassung. Ein Vorschlag, der bei Marion Weike durchaus auf offene Ohren stieß. Schließlich sei das Pflaster an den Baumtoren, wo sich Autos aus beiden Fahrtrichtungen eine Spur teilen müssen, wegen der Belastung in besonders schlechtem Zustand, sagte sie.
Daraufhin stellte Karl-Hermann Grohnert den Antrag, die Entscheidung zu vertagen, damit die Fraktionen noch einmal über den Vorschlag beraten können. Die acht Stimmen von CDU und UWG reichten jedoch gegen zehn Gegenstimmen und eine Enthaltung nicht aus. Entsprechend geteilt fiel auch die anschließende Abstimmung über die Sanierung aus: Elf Ja-Stimmen von SPD, Grünen und FDP standen acht Gegenstimmen von CDU und UWG gegenüber.
Somit gilt die dynamische Bauweise mit alten Steinen nach derzeitigem Stand als beschlossen. Zudem sollen an mehreren Stellen barrierefreie Übergänge aus braunem Granit geschaffen werden. Die Sanierung würde abschnittsweise erfolgen. In diesem Jahr wäre nur der Bereich an der Einmündung der Bahnhofstraße an der Reihe. Die Kosten dafür betragen 52.000 Euro.
Allerdings muss auch der Stadtrat am 20. Mai noch zustimmen. Auf Nachfrage dieser Zeitung erklärte Bauamtsleiter Jens Kreiensiek: »Wir könnten auch noch pünktlich in der zweiten Hälfte der Sommerferien mit dem Bau beginnen, falls der Rat die Entscheidung noch einmal zurückstellen möchte.« Kreiensiek deutete an, dass er persönlich zu Änderungen an dem Entwurf bereit sei: »Ich hätte mir bei diesem Thema nämlich eine breitere politische Mehrheit gewünscht.«
Kommentar (von Marco Purkhart)
Offen sein
Die vom Bauausschuss beschlossene Pflaster-Sanierung ist nicht optimal. Das bringt allein schon das gespaltene Abstimmungsergebnis zum Ausdruck. Dass die Politik nicht geschlossen hinter ihrer Entscheidung steht, bietet den Nährboden für weitere hitzige Pflaster-Diskussionen, wie es sie bereits in der Vergangenheit gegeben hat.
Die konstruktiv gemeinte Anregung von CDU und UWG, nur das Pflaster an den Baumtoren mit Bitumen zu versiegeln, wurde von der (knappen) Mehrheit beiseite geschoben, ohne darauf einzugehen. Dabei ist die Idee überlegenswert: Das Material könnte in diesen stark befahrenen Bereichen langfristig auf seine Haltbarkeit getestet werden. Wegen der geringen Fläche wäre das Risiko im Falle eines Fehlschlages ebenso gering wie die optische Wirkung der schwarzen Fugen - die übrigens reine Geschmackssache sind. Zudem könnte die Stadt mit dem günstigeren Material vermutlich etwas Geld sparen. Und auch das Engagement des Heimatvereins wäre nicht völlig umsonst gewesen.
Wenn sich selbst die Bürgermeisterin und der Bauamtsleiter für den Vorschlag offen zeigen, sollte es die Politik allemal. Vielleicht nachträglich bei der nächsten Ratssitzung?
aktualisiert von Team Werther, 14.05.2010, 11:37 Uhr |
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